Brockes, Irdisches Vergnügen in Gott...Achter Theil.
€ 7.800,--
Brockes, Barthold Heinrich: Herrn B. H. Brockes, Lti Com. Palat. Cæs. und Raths-Herrn der Kayserl. freyen Reichs-Stadt Hamburg, Irdisches Vergnügen in Gott, bestehend in Physicalisch- und Moralischen Gedichten. Achter Theil. [Erstausgabe mit signierter Widmung]. Hamburg, bey Christian Herold, 1746. 8°. 19 x 12 cm. Gestochenes Frontispitz, Titelblatt Druck in Rot und Schwarz, [4] Blatt, 636 Seiten. Brauner Ganzlederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel, goldgeprägtem floralem Buchschmuck, Kanten goldgeprägt schraffiert, Rundum-Goldschnitt.
Erste Ausgabe. WG, 2, 33. VD18 90386345. Dünnhaupt II, 825, 1.VIII. Faber du Faur 1393. Mit gestochenem Frontispiz von Fritzsch nach Peiffer und im italienischem Widmungsgedicht (4 Blatt) an den Kölner Erzbischof und Kurfürsten Clemens August 2 gestochene Vignetten von Fritzsch: Kopfvignette mit Wappen Clemens August nach Brockes junior und Schlussvignette mit Monogramm Clemens Augusts unter Kurhut. Auf dem Vorsatz mit 20-zeiliger Widmung in Gedichtform von Barthold Heinrich Brockes.
[Widmung]
″Pour
Madame la Bourgemaitre Widon
Nim, schöne Bürgermeisterin,
In der sich so viel Tugenden mit einem sanften Liebreitz fügen,
Dies Buch, mit holden Händen, hin.
Es mehre annoch Dein Irdisches Vergnügen,
Das, in so grosser Maaß und Zahl,
Wie es die gantze Stadt erkennet,
In Deinem würdigen Gemahl,
Dir der gewogne Himmel gönnet.
Ein eintzigs fehlet Dir annoch, doch uns auch, nicht Dir allein,
Willt du, zum Nutz des Vateerlandes, ein´ rechte Matriotin seyn,
So must Du Dich, mit mehrerer Frucht als wie bisher geschehn, bestreben,
Uns einen jungen Bürgermeister, der seinem Vater gleich, zu geben.″
[Grußadresse]
″Da Du Dich, wie ich vernahm, in wenig Tagen wilt bemühn,
in einer hierauf zielenden Absicht [?], in ferne Länder gar zu ziehn;
so soll Dich dieser Wunsch begleiten, wobey man kann andre erspahren:
Es müßte Dir das Gegentheil von der Naemi wiederfahren!*
vid: Buch Ruth c.1 v.21.″
Die Angesprochene, Cornelia Widow (1718-1731), war die Tochter des Hamburger Bürgermeisters Hinrich Diederich Wiese und Witwe des auf Wiese folgenden Bürgermeisters Rütger Ruland (1665-1742), mit dem sie als Siebzehnjährige verheiratet wurde. Nach dessen Tod heiratete sie 1744 in zweiter Ehe den Bürgermeister Conrad Widow (1686-1754), 1755 in dritter Ehe den preußischen Ministerresidenten am Niedersächsischen Reichskreis und Postmeister in Hamburg Johann Julius Hecht (1721-1792). Alle drei Ehen scheinen ohne Kinder geblieben zu sein (siehe zur Kinderlosigkeit ihrer zweiten Ehe die Widmung). Brockes, der 1720 zum Ratsherr gewählt wurden, könnte die Tochter Hinrich Diederich Wieses, der seinerseits seit 1718 Ratsherr war, bereits im Kindesalter gekannt haben. Zusammen mit Brockes gehörte Wiese auch zur Redaktionsgemeinschaft der zwischen 1724 und 1726 in Hamburg erscheinenden Zeitschrift „Der Patriot“ (siehe das Wortspiel „Matriotin“ in der Widmung), es bestand auch darüber eine enge persönliche Verbindung. Die Transkription der Widmung und die biografische Einordnung erfolgten nach Prof.Dr. Kai Kauffmann, Universität BielefeldProvenienz: Aus der Sammlung der Galleristen/Antiquarin Ruth Maria Muthmann. Einband minimal berieben, bestoßen. Sehr gutes Exemplar. Widmungsexemplare von Brockes sind extrem selten.


